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Was benötigst du für deine Gründung? 10 wichtige Tipps für deinen Start
19.05.2021

Alles, was man braucht, ist eine gute Business-Idee…. ?

Dass zu einer Gründung mehr gehört als eine gute Idee, hast du sicher bemerkt, wenn du dich mit Gründung etwas auseinandergesetzt hast.

Zu einer Gründung gehört ebenso die Wahl der geeigneten Rechtsform, die Art der Besteuerung sowie die Eintragung deines Unternehmens ins Handelsregister, falls erforderlich. Ebenso musst du dich mit Pflichtbestandteilen von Rechnungen und weiteren Vorgaben für deine zukünftige Buchhaltung auseinandersetzen. 

Kurz: Eine Gründung erfordert Recherchearbeit und auch einen guten Plan, um langfristig erfolgreich zu sein.
In diesem Blogartikel habe ich daher 10 hilfreiche und wichtige Tipps für deinen Start zusammengestellt.

 

Checklisten zum Thema Gründung

Es gibt sicher nicht die EINE richtige Checkliste für eine Gründung, sondern viele verschiedene Wege, in die Gründung zu starten. Je nach Rechtsform oder nach Art der Tätigkeit.

Als Anhaltspunkt empfehle dir die Gründungsinformationen des Existenzgründerportals des BMWi. Dort findest du viele Checklisten und Übersichten, die dir als Entscheidungsgrundlage dienen können. Angefangen bei den Gründen für deine Selbstständigkeit bis hin zur Beantragung von Fördermitteln. 

Vorbereitung/Beratung | BMWi-Existenzgründungsportal (existenzgruender.de)

Die Seite bietet auch für diejenigen, die bereits gegründet haben, viel Interessantes.

 

Business Model Canvas

Um langfristig erfolgreich zu sein, empfiehlt es sich, einen Plan zu haben. Für viele Schritte deiner Gründung musst du sowieso Entscheidungen treffen, für die Vorüberlegungen nötig sind:

  • Zielgruppe
  • Produkt / Dienstleistung
  • Rechtsform
  • Geschäftliche Kosten
  • Private Kosten
  • Umsatz


Als Grundlage für deine Ideen und Gedanken kann ich dir das Business Model Canvas empfehlen. Es verleiht Struktur und gibt Bereiche vor, welche du in deine Überlegungen einbeziehen kannst.

Was ist Canvas?

Canvas ist eine Methode zur Entwicklung und Strukturierung von Geschäftsmodellen. In einer Übersicht mit mehreren Feldern trägst du Schlüsselfaktoren für dein Business ein. Durch dieses visuell gestützte Vorgehen erhältst du einen guten Überblick und kannst Optimierungen vornehmen.

Ein Beispiel findest du hier: 

www.existenzgruender.de/DE/Gruendung-vorbereiten/Businessplan/Business-Model-Canvas/inhalt.html

Auch für diejenigen, die bereits gegründet haben und beispielsweise ein neues Angebot entwickeln möchten, ist das Model interessant.

 

Wahl der Rechtsform

Auch die richtige Wahl der Rechtsform für dein Unternehmen gehört zu den To-dos vor einer Gründung. Die Auswahl ist groß, doch nicht alle Rechtsformen sind für alle Unternehmen geeignet.

Hier ein kurzer Überblick:

Gewerbetreibende sind alle, die ein Unternehmen gründen und nicht freiberuflich tätig sind. Die meisten Gewerbetreibenden sind Kaufleute und müssen ihr Unternehmen im Handelsregister eintragen lassen. Für sie kommen folgende Rechtsformen in Frage: 

  • Einzelunternehmen (für Ein-Personen-Gründungen) 
  • Offene Handelsgesellschaft (OHG) 
  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) (auch für Ein-Personen-Gründungen)
  • Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) (auch für Ein-Personen-Gründungen)
  • GmbH & Co. KG 
  • Kommanditgesellschaft (KG) 
  • Aktiengesellschaft (AG) (auch für Ein-Personen-Gründungen)


Kleingewerbetreibende dagegen sind keine Kaufleute. Sie müssen sich nicht im Handelsregister eintragen, wenn sie ein kleines und einfach organisiertes Unternehmen führen. Bei kleineren Unternehmen ist darauf zu achten, dass der laufende Aufwand (Jahresabschlüsse, Berichtspflichten u.a.), der mit der jeweiligen Rechtsform verbunden ist, nicht allzu hoch ist. Für sie kommen folgende Rechtsformen in Frage: 

  • Einzelunternehmen (für Ein-Personen-Gründungen)
  • Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) (für Teamgründungen)


Freiberufler gehören nicht zu den Gewerbetreibenden und werden auch nicht im Handelsregister eingetragen. Für sie kommen folgende Rechtsformen in Frage: 

  • Freiberufler als Einzelunternehmer
  • Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) (für Teamgründungen) 
  • Partnerschaftsgesellschaft (PartG) (für Teamgründungen) 
  • Partnerschaftsgesellschaft mit beschränkter Berufshaftung (PartG mbB) (für Teamgründungen) 


Oftmals wird angenommen, dass die Rechtsform die erste Entscheidung ist, die es zu treffen gilt. Das ist aber nicht unbedingt korrekt. Vielmehr sind deine Business-Idee und deine Planung der entscheidende Treiber: 

Willst du alleine starten oder hast du noch MitgründerInnen? Möchtest du Produkte verkaufen oder bietest du Dienstleistungen an. Wie sieht es mit der Haftung aus? Wie hoch ist das Risiko? All dies sind Faktoren, die du berücksichtigen solltest. 

Und: Eine Rechtsformwahl ist auch nicht für immer und ewig in Stein gemeißelt. Du kannst später Änderungen vornehmen, wenn dein Unternehmen wächst. 

 

Gewerbeanmeldung: Wann, wie und wo? 

Wann:
Wenn du mit deiner Tätigkeit startest, musst du vorab das Gewerbe anmelden, sofern du nicht freiberuflich tätig bist. In der Vorgründungsphase brauchst du das Gewerbe noch nicht anmelden. Wenn du aber nach außen auftrittst, dann solltest du die Anmeldung schon vorgenommen haben. Frühstens vier Wochen vor Start und spätestens drei Wochen später - manchmal werden auch längere Zeiten geduldet, aber es können Bußgelder anfallen.

Wo:
Online bei der jeweiligen Stadt. Einfach über die Google-Suche gehen. Ich würde dir empfehlen, immer nur direkt bei den Städten die Anmeldung vorzunehmen und nicht über sogenannt Service-Gesellschaften zu gehen. Das kostet nur mehr und die Fragen musst du eh selbst beantworten.

Wie: 
Gewerbeanmeldung ausfüllen und dem Gewerbeamt zukommen lassen.
Für die Gewerbeanmeldung ist in der Regel eine Gebühr fällig. Die Höhe wird jeweils von der Stadt festgesetzt und variiert daher.

Hinweis für diejenigen, die bereits ein Gewerbe angemeldet haben:
Bei Änderungen deines Tätigkeitsfeldes, Umzug, Namensänderung wegen Hochzeit, Änderung der Rechtsform immer auch daran denken, das Gewerbe umzumelden, denn als UnternehmerIn hast du dafür Sorge zu tragen, dass deine Informationen aktuell sind.

 

Fragebogen zur steuerlichen Erfassung

Gewerbe angemeldet oder freiberufliche Tätigkeit gestartet. Was kommt jetzt ?

Nach der Gewerbeanmeldung muss dein Gewerbe vom jeweiligen Finanzamt "erfasst" werden. Hierzu füllst du den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung aus und reichst ihn beim Finanzamt elektronisch ein. (Elster online)

Der Fragebogen dient der steuerlichen Erfassung deines Gewerbes und bei Freiberuflern als Meldung, dass eine selbstständige Tätigkeit gestartet wird. Neben vielen Rahmendaten werden auch die geplanten Gewinn- und Umsatzgrenzen sowie besondere Tätigkeiten - wie z.B. Onlineshop-Infos abgefragt.

In diesem Fragebogen kannst du dich für die Kleinunternehmerregelung entscheiden, wenn du die Voraussetzungen dafür erfüllst. Ebenfalls kannst du deine Umsatzsteuer ID mit beantragen.

Auf Basis dieses Fragebogens erteilt dir das Finanzamt deine Steuernummer.

 


Vorbereitende Tätigkeiten - Ausgaben VOR der Gründung absetzen

Auch Ausgaben, die in deiner Vorgründungszeit anfallen, solltest du steuerlich geltend machen. 

Ich empfehle dir, im steuerlichen Erfassungsbogen die Zeiten anzugeben, die du für deine Vorgründung benötigst. (Zeitraum für die vorbereitenden Tätigkeiten)

Beispiel:
Am 01.05. kaufst du dir einen Laptop. Am 01.06. nimmst du deine Gewerbeanmeldung vor. Dann gibst du im steuerlichen Erfassungsbogen an, dass du bereits ab dem 01.05. tätig bist.

 

Einzelunternehmung

Eine häufig gewählte Rechtsform sind Einzelunternehmen. Daher hier einige Informationen zu dieser Rechtsform:

Vorteile:

  • Gewinne gehören uneingeschränkt dem/der UnternehmerIn
  • Kein Stammkapital notwendig
  • Gründungskosten gering
  • Gründungsformalitäten gering
  • Du hast als UnternehmerIn die alleinige Entscheidungsgewalt und musst dich nicht mit anderen abstimmen.


Nachteile:

  • Du musst über eine gewerberechtliche Befähigung verfügen
  • Du haftest mit deinem Privatvermögen für die Schulden deines Unternehmens

 

Mit welchen Steuern musst du als EinzelunternehmerIn rechnen?

  • Einkommensteuer
    • individueller Steuersatz, basierend auf deinem Einkommen
  • Gewerbesteuer
    • ab einem Gewinn von 24.500 EUR
  • Umsatzsteuer 
    • durchlaufender Posten
    • indirekt, du zahlst für deine Kunden

 

Steuernummer

Deine Steuernummer oder deine USt ID musst du auf deinen Rechnungen ausweisen. In der Regel wird dir diese nach Einreichung des Fragebogens zur steuerlichen Erfassung vom zuständigen Finanzamt mitgeteilt.

Wenn du die Steuernummer beantragt hast, du diese jedoch noch nicht vom Finanzamt mitgeteilt bekommen hast, dann kannst du übergangsweise deine private Steuernummer erfassen oder „NEU“ anstelle der Nummer auf der Rechnung ausweisen. Du kannst die Rechnung dann später korrigieren, wenn die Nummer da ist. 

Besser ist es selbstverständlich, wenn du die Nummer bereits frühzeitig beantragst. Denn wenn die Steuernummer fehlt hat dein Kunde evtl. Probleme mit dem Vorsteuerabzug. Die Beantragung einer Steuernummer kann je nach Finanzamt 6 bis 12 Wochen oder länger dauern.

Generell würde ich dir empfehlen, eine UST ID auf deiner Rechnung anzugeben, statt der Steuernummer, da deine Steuernummer lässt Rückschlüsse auf dein Finanzamt zulässt. Theoretisch wäre es sogar möglich, dort anzurufen und Informationen zu erhalten.

 

Umsatzsteuer-Identifikationsnummer

Benötigst du zwingend eine USt ID? Nein, du benötigst nicht zwingend eine USt ID.

Jedoch würde ich jedem empfehlen, eine Nummer zu beantragen, denn in der heutigen Zeit gibt es viele genutzte Dienstleistungen, die von ausländischen Unternehmen erbracht werden. Um sich bei diesen korrekt als UnternehmerIn auszuweisen und eine korrekte Rechnung zu erhalten, musst du in den Portalen dieser Dienstleister deine UST ID hinterlegen. 

Beispiele hierfür sind:

  • Adobe
  • Facebook
  • Google
  • Apple
  • Canva

 

Deine eigene USt ID kannst du auf folgenden Wegen erhalten:

  1. Im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung hast du die Möglichkeit, anzukreuzen, dass du eine USt ID möchtest. Das Finanzamt leitet den Antrag an das Bundeszentralamt für Steuern weiter und dieses erteilt dir deine USt ID.
  2. Du kannst sie auch selbst online beantragen. Das funktioniert ganz einfach und unkompliziert auf dieser Seite: BZSt - Umsatzsteuer-Identifikationsnummer

 

Vorbereitung für deine Buchhaltung

Du hast alle Schritte der Gründung erfolgreich gemeistert? Herzlichen Glückwunsch! Nun gilt es, deine Buchhaltung für den UnternehmerInnen-Alltag vorzubereiten.

  • Informiere dich, welche Bestandteile auf deine Rechnung müssen.
  • Entscheide dich für ein Buchführungsprogramm.
  • Richte dein Programm ein und achte darauf, dass alle relevanten Bestandteile auf deinen Rechnungen angegeben werden.
  • Lege dir einen digitalen Ordner an, in welchem du alle Belege sammelst
  • Etabliere mindesten einen oder zwei Buchhaltungstage pro Monat, an denen du alle Belege erfasst und deine Buchhaltung erledigst

 

Ein großes Learning meiner Selbstständigkeit war: 

Machen, mit Plan, aber ohne Perfektionismus. Betterdonethanperfect!

Genauso verhält es sich auch mit deiner Buchhaltung und deinen Steuern.

Informiere dich ausreichend über Vorgaben und steuerliche Gegebenheiten, aber hab keine Angst davor und schieb es nicht vor dir her. Einfach machen! Und bei Hürden einen Experten um Rat fragen. 

Und: Auch in Buchhaltungs- und Steuerangelegenheiten lohnt es sich, Prioritäten zu setzen und wichtig von unwichtig zu unterscheiden.

Wichtig: Die Einstufung deiner Tätigkeit in freiberuflich oder Gewerbe und die pünktliche Abgabe deiner Erklärungen gegenüber dem Finanzamt.

Weniger wichtig: Ob du deine Telefonrechnung im Buchführungsprogramm auf Marketing oder Bürobedarf buchst. Hierfür musst du nicht 2 Stunden im Netz recherchieren. Hauptsache, du buchst konsistent.

 

Ich wünsche dir ganz viel Erfolg für deine Gründung und mit deinem zukünftigen Unternehmen!
 


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